Blog 33 - KW 32/2016

Mission Glück KW 32

Der After-Race-Blues oder die Frage nach dem neuen Ziel

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal,

der Zielbewusste gestaltet es.“ (Immanuel Kant)

 

„Danach“ ist da, liebe Blogleser!

Genau eine Woche ist vergangen seit dem Glückstag. Natürlich war es wieder eine ereignisreiche, volle und bestimmt nicht langweilige Woche, aber trotzdem war alles anders als in den Wochen vor dem großen Tag. Die Ganzkörperschmerzen vergingen recht schnell, wobei ich ja zugeben muss, dass ich diesen körperlichen Schmerz nach einem wichtigen Wettkampf irgendwie mag. Man spürt mit jeder Faser des Körpers, dass man etwas „Großes“ hinter sich gebracht hat – etwas, worauf man stolz sein kann. Zuerst waren die Beine so schwer, dass man das Gefühl hatte, das Blut hätte sich in Beton verwandelt. Treppen wurden zu unüberwindbaren Hindernissen oder zu „Arschrutschen“. Diverse „angescheuerte Stellen“ schmerzten zunächst im Verlauf des Heilungsprozesses, sie bildeten Schorf, den man bloß nicht zu zeitig abknibbeln durfte (eigentlich…). Mein linker großer Zeh reagierte auf die Strapazen mit einer Nagelbettentzündung, die mich noch immer ärgert. Darüber hinaus zierten etliche Blasen meine Füße. Mit der Fuß-Modell-Karriere würde es wohl fürs Erste nix werden. Aber auch wenn die Blasen und der Zeh abheilen, werde ich mit den „Laufwarzen“ wohl keinen Schönheitspreis gewinnen.

Trotzdem ging es mir schon zur Wochenmitte wieder recht gut.  Nur der Kopf und die Seele arbeiteten noch vor sich hin. Und das tun sie aktuell noch immer, aber das ist ja quasi meine Spezialität.

Wenn man so lange auf ein Ziel hinarbeitet, dann wird das Ziel immer größer und der Alltag drum herum immer kleiner. Zielgerichtet vorzugehen macht nicht nur Spaß: Es hilft außerdem dabei, den eigenen Weg zu finden, denn man weiß zumindest wo man hin möchte. Dies ist für mich immer wieder die wichtigste Erkenntnis, wenn ich lange auf ein Ziel hingearbeitet habe. Es ist wichtig, sich Ziele zu setzen, ganz gleich ob das sportliche, berufliche oder private Ziele sind. Sobald ich weiß, wo ich hin möchte, kann ich den ersten Schritt gehen und später einen Weg finden, der es mir erlaubt, mich zu entwickeln. Und das Schöne ist, dass dieser Weg oft viele Überraschungen, Kurven und Hindernisse und Lieblingsmenschen bereithält.

Nun ist ein sehr dominantes Ziel erst einmal erreicht und somit weg. Natürlich freue ich mich total über die erfolgreiche Glücksmission und darüber, dass sich die Schinderei gelohnt hat. Der Weg dorthin war besonders, selten leicht, aber doch einfach toll im Rückblick. Außerdem habe ich mich gut begleitet gefühlt. Aber eine leichte Leere macht sich breit: Der „After-Race-Blues“. Und irgendwie finde ich diesen Blues auch nur logisch. Das große Ziel ist weg und alles, was ich auf „DANACH“ verschoben habe (der eine oder andere Leser wird sich erinnern) ist jetzt fällig. Großartige Dinge wie das Putzen meiner Fenster, die Steuererklärung und der Abschied vom alten Job, die unfassbar nötige Grundreinigung unserer Behausung und die Beseitigung der dschungelartigen Grünanlage hinter unserem Haus. Zum Teil habe ich mich damit bereits befasst oder bin im laufenden Prozess.

An Sport war in dieser Woche nur bedingt zu denken. So richtig viel Antrieb hatte ich nicht, mal abgesehen vom Yoga bei Silke und vom Spinning heute Morgen. Mein Fahrrad wartet vermutlich schon darauf bewegt zu werden, aber bisher habe ich mich darauf beschränkt, alles zu säubern und an seinen Platz zu räumen. So nett das ist, fürs Erste nach Lust und Laune trainieren zu können, so schwierig ist es momentan noch, da ich seit Monaten einem Plan folgte. Meine Töchter sind schon regelrecht irritiert. „Fährst du heute kein Fahrrad, Mama? Das Wetter ist doch total schön!“ haute die Große gestern heraus. Die Kleine fragte argwöhnisch, ob ich zukünftig immer so viel Zeit daheim verbringen würde. ICH finde es ja gut, dass ich meine schwer pubertierenden Gören ein wenig genauer ins Visier nehme. Meine mütterlichen Gefühle sagen mir, dass die beiden mich brauchen. Und das tun sie in der Tat, auch wenn ihre Adoleszenz ihnen derzeit verbietet, es ebenso zu empfinden oder es sogar (noch schlimmer) zuzugeben (GEHT JA MAL GAAAR NICHT!).

Ja, die Ziele im Alltag wollen auch bewältigt werden, aber wer in der Lage ist bei stürmischer und sehr wechselhafter Witterung 226 km am Stück zu bewältigen, der ist auch in der Lage, den „DANACH-Kram“ zu regeln.

Aber was ist mit neuen Herausforderungen? Bisher empfand ich für mich immer dann Ziele als Herausforderung, wenn ich wusste, dass ich in der Sache talentfrei bin oder Angst davor habe. Eine Langdistanz habe ich jetzt 2x gefinisht, Mitteldistanzen stehen auch im kommenden Jahr im Kalender (wenn auch noch nicht 100% sicher ist, wo ich starten möchte). Klar ist auch, dass ich eine Pause von der Langdistanz brauche, aber WAS wird denn dann DIE neue Herausforderung für das kommende Jahr? Die Transalp würde mich reizen, einen Berg würde ich gerne besteigen oder eine längere Strecke schwimmen. Vielleicht sollte ich ja auch doch einmal Fallschirmspringen, ein Land mit dem Rad bereisen oder zu Fuß durchqueren? Im Yoga möchte ich mich verbessern, wieder frei im Handstand oder im Skorpion stehen, endlich den Waschbrettbauch antrainieren, undundund. Oder ich schreibe ein Buch ;-)… aber das funktioniert nur mit einem sportlichen Ziel im Rücken. Wie sieht es aus, liebe Blogleser? Habt ihr Ideen? Ich bin für Inspirationen dankbar.

Während ich so darüber sinniere, stelle ich mich ganz aktuell schon einmal einer Herausforderung, nämlich der Ernährungsumstellung. Ich bin in der Tat echt pappsatt bezogen auf Fleisch, Zucker und zu viele Kohlenhydrate. Wenn ich so weiter fresse wie zuletzt, gibt es mich bald im handlichen Ritter-Sport-Format (quadratisch!). Apropos Ritter Sport: selbst auf Schoki und Kuchen habe ich derzeit keine Lust mehr.

Mein jugendliches Ich (wild, rotzig, punkig, unangepasst und zutiefst gesellschaftskritisch) hätte vermutlich zu mir gesagt: „Alte Frau, du mit deinem After-Race-Blues – das nenne ich mal Luxusprobleme.“ Und damit hätte mein altes Ich absolut Recht! Das Leben ist schön, ich bin stark und gesund und wenn ein Zauber vorbei ist, dann bin ich kurz bluesig, wische mir anschließend den Mund ab und breche auf zu neuen Ufern. Ich hole das Fernglas heraus, stelle es scharf, nehme neue Ziele ins Visier und stelle das Glas dann immer schärfer! Es bleibt spannend, was ich sehe und als neuen Zauber auswähle, als neues Ziel, als den Anfang eines neuen Weges.

Noch drei Blogs folgen, liebe Leser. Vielleicht wird in diesen die Sicht durch das Fernglas noch klarer. Für einen Moment beame ich mich aber noch einmal zurück nach Glücksburg, zurück in den Zielbereich, wo ich so herzlich in Empfang genommen wurde. Ein guter Moment für immer und ein Anker gegen jeden Blues! Nun wünsche ich Euch einen guten Start in die neue Woche! Inspiriert mich, begleitet mich noch eine Weile und bleibt bewegt!

 

Eure Daniela

 

 

 

 

Die Bloggerin 2016 Daniela Pätsch stellt sich vor: 

 

Ich bin Daniela, vierzig Jahre alt und bereits im dreizehnten Jahr aktive Triathletin. Ich lebe mit meinen beiden Teenie-Töchtern Lucie und Sanja in Diemelstadt im tiefsten Norden Hessens, nicht gerade eine Triathlon-Hochburg, jedoch eine Gegend mit wunderbaren Trainingsmöglichkeiten.  

 

Ich arbeite als Sozialpädagogin in einem Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, langzeitarbeitlose junge Erwachsene zu motivieren, aus ihrem "Loch" herauszukrabbeln, sich aufzubäumen und etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, Motivation zu leben und aktiv umzusetzen. Ich zeige auf diese Weise, was es bedeutet, sich ein Ziel zu setzen und dafür zu kämpfen. Ich möchte für diese jungen Menschen und nicht zuletzt für meine Töchter ein aktives Vorbild sein, da dies häufig mehr Wirkung zeigt, als warme Worte zu formulieren.

Ich bin Triathletin aus Leidenschaft, sportlich relativ talentfrei aber stark im Kopf, Triathlon-Trainerin und Yoga-Lehrerin.

Der Ostseeman ist nach dem Ironman Frankfurt 2013 erst meine 2. Langdistanz. Ich starte sonst bevorzugt über die halbe Strecke. Am Ostseeman reizt mich das Schwimmen im Meer und die von einem Vereinskollegen wiederholt beschriebene familiäre Atmosphäre.

Mein Ziel ist wie bereits 2013 erfolgreich zu finishen und den Wettkampf zu genießen.

Bedeutsam für mich sind nicht die Zeiten oder der Vergleich mit anderen, sondern der tägliche Kampf gegen mich selbst und den inneren Schweinehund. Ich trainiere aus meiner Sicht möglichst effizient nach einem Plan, nutze die mir zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll, um so letztendlich am Wettkampftag mein Bestes geben zu können. Yoga und Meditation helfen mir, die Beweglichkeit in Körper und Geist zu stärken, zu bewahren und aus der Ruhe Kraft zu schöpfen.

Für mich war die erste Langdistanz eine abenteuerliche Reise und ein Weg, auf dem sich vieles geklärt hat. Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich die vielen abenteuerlichen, emotionalen und verrückten Momente nicht hinreichend schriftlich festgehalten habe. Daher freue ich mich  umso mehr, dass mir hier nun der Rahmen gegeben wird, dies nicht nur festzuhalten, sondern auch noch mit anderen zu teilen.

Die „Mission Glück“ als positive Sichtweise und gelebte Motivation! Ich freue mich über jeden, der mich auf diesem Weg begleiten möchte.