Blog 32 - KW 31/2016

Mission Glück KW 31

„Wird es einfach sein?

NEIN!

Wird es das wert sein?

ABSOLUT!“

Willkommen in der Glückswoche, liebe Blogleser!

Eigentlich ist inzwischen schon die Woche nach der Glückswoche. Ich entschuldige mich dafür, dass der Blog etwas später kommt als sonst, denn heute ist tatsächlich schon Dienstag. Aber ich hatte gute Gründe, gestern noch nichts zu schreiben, denn ich musste den Renntag erst einmal verarbeiten – nicht nur der Körper (der verarbeitet übrigens noch immer) sondern auch der Kopf. Ich glaube, dass ich gestern noch nicht viel Lesenswertes fabriziert hätte. Das Blut war nicht im Hirn, sondern noch in den Beinen. Da ich mittlerweile aber weiß, dass es doch einige gibt, die regelmäßig meinen Blog gelesen haben (viel mehr als ich das je erwartet habe, wenn ich ehrlich bin), möchte ich mir auch jetzt ganz viel Mühe geben, wenn ich meine Eindrücke zu dem Tag schildere, auf den ich mich nun schon so viele Monate vorbereitet habe. Am liebsten würde ich auch noch ganz viel über die Tage vor dem Rennen schreiben, aber ich habe beschlossen, einen Teil davon nach hinten zu verschieben, wenn ich mein persönliches Fazit ziehe. Noch seid ihr mich nämlich nicht los, es soll noch ein paar Blogs geben, bevor ich hier abdanke und den Platz für meinen Nachfolger räume.

Die Woche vor dem Wettkampf war sehr bunt, herzlich, abwechslungsreich, aber auf privater Ebene leider nicht immer erfreulich und mitunter ein Wechselbad der Gefühle. Ich konnte leider nicht völlig unbelastet in die finale Vorbereitung gehen, da mein Papa, der seit Jahren sehr krank ist, eine weitere schlechte Diagnose einstecken musste. Entsprechend gedrückt war mitunter die Grundstimmung. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das Ding jetzt erst recht durchziehen wollte, für meine Töchter, meine restliche Familie und Freunde, aber auch besonders für meinen Papa, den Kämpfer! ... und für mich selbst, klar!

Vor Ort wurde mir dieser Entschluss außergewöhnlich leicht gemacht. Einen herzlicheren Empfang kann man sich nicht vorstellen. Reinhard Husen und seine Frau, Kay Dittloff und das gesamte Team – unbezahlbar! Ich kam aus der Begeisterung gar nicht mehr raus. Es gab Kaffee, immer ein nettes Wort oder ein offenes Ohr für die Athleten und eine Riesenportion Herzblut für den Ostseeman. Dazu kamen ganz unterschiedliche extrem nette Gesten von einigen Bloglesern. Ich wurde zum Training eingeladen oder in eine Ostseeman-Gruppe aufgenommen (DANKE, Wolf!), lernte Einheimische kennen und stürzte mich mit Blogleser Karsten in die wellige Ostsee zum Üben. Das alles hat mir schon die Woche über viel Kraft und Auftrieb gegeben.

Geradezu paranoid verfolgte ich sämtliche verfügbaren Wetter-Apps, weil ich so wie jeder Athlet auf gute Bedingungen hoffte. Unzählige Male (pro Stunde) schaute ich nach und studierte mögliche Veränderungen wie eine Möchtegern-Meteorologin. Mein Hauptfeind, die Bullenhitze, fiel zum Glück aus. Mein nächster Feind jedoch, der Höllenwind, schien sich mehr und mehr anzukündigen. Ich favorisierte bald die Apps mit den günstigsten Windverhältnissen. Ich wusste nicht, wovor ich mehr Respekt hatte: vor starkem Seegang mit Seekrankheitsgarantie oder vor heftigen Windböen auf der Strecke. Beides wäre desaströs, aber konnte ich es beeinflussen? NEIN! Also hieß es cool bleiben (klappte so gar nicht), tapern und schlafen (klappte so halb) und ordentlich Carbo-Loading (klappte 100%ig ).

Die ganzen Vorbereitungen, die Pasta-Party, die Wettkampf-Besprechung und der Check-in am Vortag:  ich sog die Atmosphäre auf, genoss die Eindrücke, die Gespräche mit anderen Triathleten und die sehr professionelle Organisation. Alles war ritualisiert und routiniert. Immer wieder überprüfte ich den Inhalt meiner Beutel, schaute ängstlich auf eine Stecknadelkopf-große Minimacke in meinem Fahrradmantel, die mich am Vortag beinahe zur Hysterie trieb und ging wiederholt die Wechselwege ab. Es wurde immer kribbeliger, die Anspannung stieg, ich war extrem nervös. Das merkt man bei mir vor allem daran, wenn ich plötzlich die Klappe halte. Sehr verdächtig! ;-)

 

 

Und eh ich es mich versah, sollte es losgehen. Beinahe ungläubig fand ich mich urplötzlich am Strand von Glücksburg wieder, noch 15 Minuten bis zum Start. Ich umarmte meine Töchter und ging zu epischen, sehr stimmungsvollen Klängen über die Zeiterfassungsmatte zum Schwimmstart. Einige lachten, andere wirkten angespannt, bei einem Großteil konnte man den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine Massenhinrichtung und nicht um eine Veranstaltung, zu der niemand gezwungen wurde. Das Wasser der Förde schlug nur kleine Wellen, als der Startschuss zum 15. Ostseeman fiel. Dann brodelte die Förde im Angesicht von rund 1300 Startern. Als Schwimmer empfand ich es sehr angenehm. Es wurde nie zu eng, der Schwimmkurs war gut sichtbar, ich fand meinen Rhythmus. An der ersten Boje wechselten wir die Richtung und schwammen mit der Strömung. Sehr entspannt, beinahe schwerelos. Einzig meine linke Schulter zwickte, vermutlich Spätfolgen meines Autounfalls Ende April. Gegen die Strömung wurde es zwar etwas schwerer, aber es war trotzdem toll. Bei 19 Grad Wassertemperatur und klarer Sicht konnte man Krebse, Fische und Seesterne beobachten. Ein Naturkundetripp ist ein Scheiß dagegen, dachte ich bei mir. Nach 2 großen Schwimmrunden stieg ich zufrieden aus dem Wasser und freute mich zunächst auf die Radstrecke. Die ersten 4 Runden freute ich mich auch durchgehend. Es lief ganz gut, auch wenn der Wind immer mehr auffrischte. Auf jeder Runde kamen aufmunternde Worte von Bloglesern. Ich danke Euch echt dafür, das hat bei mir wirklich immer wieder den Zwischenturbo aktiviert. Dass es am Wahrberg auch Wurst und Salamibrötchen gab, fand ich klasse, genauso wie die Stimmung in den Orten, auch wenn das Wetter immer schlechter wurde. Immer wieder regnete es und der Wind schickte böse Killerböen, die mehrfach mein Bike zum Abheben brachten (kein Witz!). Nach der dritten Runde standen meine Kinder an der Eigenverpflegung. In der Aufregung hatten sie vergessen die (gut geschüttelte) Cola zu öffnen. War das eine klebrige Schweinerei, zumal ich ja eh schon klebte vom Gel und den Riegeln, die ich mir alle 15 km reindrückte. Ab Runde 5 wurde es abartig. Der Wind wurde zum Arschloch, der mich durchschüttelte wie einen Martini. Insbesondere auf dem freien Feld fuhr man eine Linkskurve und bekam sogleich direkt frontal auf die Fresse. Ich war dann froh, endlich auf die letzte Runde zu gehen. Psychologisch war das einfacher, der Wind jedoch war zum Oberarsch mutiert, ich hatte „Nacken“ und „Schulter“ und die Schnauze voll. Einsam war es obendrein, da die meisten inzwischen ihren Marathon absolvierten. Mein Kumpel Manu war noch auf der Strecke, nachdem er (wie im Vorjahr) zwei Plattfüße hatte. Aber in diesem Jahr wollte er kein DNF. Total eingesaut feuerte er mich sehr entschlossen auf dem Rad an („Pätsch, du geile Sau!“). Wahnsinnig, der Kerl! Ziemlich zerstört und angezählt stieg ich nach 6:55 Minuten vom Rad. Meine Familie empfing mich an der Wechselzone. „Ich hasse Radfahren“, rief ich ihnen zu und verschwand mit meinem Beutel im Wechselzelt. Auch hier waren die Helfer einfach Goldstücke! Sie holten meinen Beutel, halfen mir beim Anziehen. Großartig!

Die erste Laufrunde war absolut okay. Ich war sehr froh, endlich aufrecht unterwegs zu sein, meine Beine trugen mich noch, alles war gut. Ich genoss die Brühe bei der ersten Verpflegung, als es erneut zu regnen begann. Im Schlosspark überholte mich Julia Mai mit sehr lieben und aufmunternden Worten. Eine Top Triathletin zum Anfassen, wie man so schön sagt. Danke dir, liebe Julia! Wir Hessen müssen ja zusammenhalten! Ab sofort bin ich dein Fan!

Ab km 13 bekam ich Probleme. Meine Verdauung wollte auch mal bewegt sein, der Zeitpunkt war ungünstig, ich bekam Krämpfe, Durchfall und entsprechend Kreislaufprobleme. Von weiteren Gels wurde mir schlecht. Ich traf zum wiederholten Male auf Karoline, die ab Runde 2 meine Wettkampfpartnerin bis zum Schluss blieb. Wir bauten uns gegenseitig immer wieder auf, jeder hatte seine Hänger, zu zweit war es aber einfacher, sich in Richtung Ziel zu bewegen. Auch auf der Laufstrecke freute ich mich über den Zuspruch vieler Athleten, die den Blog gelesen haben. Und die Zuschauer harrten tapfer und bestens gelaunt im Regen aus. Jede Verpflegungsstelle war Seelenbalsam. Und wenn es nicht zwischendurch total wehtun würde, wäre der Marathon einer Langdistanz die perfekte Sozialstudie. Menschen ohne Masken, die sich unter Schmerzen und teilweise massiv gekrümmt in Richtung Finishline schleppen. Manche lagen mit Krämpfen in den Vorgärten, andere übergaben sich herzhaft in die Rabatte. Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich mag eben „echte Menschen, die an ihre Grenzen gehen“ und daher schocken mich solche Szenen nicht, auch wenn viele das als unansehnlich empfinden würden.

In der letzten Runde war an Laufen nicht mehr zu denken, alles tat unendlich weh, aber ich war beinahe durchgehend voller Vorfreude beim Gedanken an die letzten Meter. Mit Recht, denn der Zieleinlauf war so bewegend, dass sich die Schinderei und das „Bewegt-bleiben“ der letzten Monate wirklich ausgezahlt hat. 

Noch immer tief bewegt durch die viele Bewegung (und körperlich noch immer ziemlich zerstört) beende ich den heutigen Blog. Viele bisher nicht genannte Eindrücke und das Gefühl danach könnt ihr gerne auch noch kommende Woche lesen, sonst artet das hier noch romanartig aus. 

Fürs Erste beglückwünsche ich alle Finisher, herzliche Gratulation an Sieger Till, der mich sehr beeindruckt hat, und vielen Dank für so viel Herzlichkeit in der ganzen Zeit in Glücksburg!

Bleibt weiterhin bewegt! (ich schaffe es heute bewegungstechnisch schon wieder die Treppe runter)

 

Bis nächste Woche

Eure Bloggerin Daniela

 

 

Die Bloggerin 2016 Daniela Pätsch stellt sich vor: 

 

Ich bin Daniela, vierzig Jahre alt und bereits im dreizehnten Jahr aktive Triathletin. Ich lebe mit meinen beiden Teenie-Töchtern Lucie und Sanja in Diemelstadt im tiefsten Norden Hessens, nicht gerade eine Triathlon-Hochburg, jedoch eine Gegend mit wunderbaren Trainingsmöglichkeiten.  

 

Ich arbeite als Sozialpädagogin in einem Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, langzeitarbeitlose junge Erwachsene zu motivieren, aus ihrem "Loch" herauszukrabbeln, sich aufzubäumen und etwas aus ihrem Leben zu machen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, Motivation zu leben und aktiv umzusetzen. Ich zeige auf diese Weise, was es bedeutet, sich ein Ziel zu setzen und dafür zu kämpfen. Ich möchte für diese jungen Menschen und nicht zuletzt für meine Töchter ein aktives Vorbild sein, da dies häufig mehr Wirkung zeigt, als warme Worte zu formulieren.

Ich bin Triathletin aus Leidenschaft, sportlich relativ talentfrei aber stark im Kopf, Triathlon-Trainerin und Yoga-Lehrerin.

Der Ostseeman ist nach dem Ironman Frankfurt 2013 erst meine 2. Langdistanz. Ich starte sonst bevorzugt über die halbe Strecke. Am Ostseeman reizt mich das Schwimmen im Meer und die von einem Vereinskollegen wiederholt beschriebene familiäre Atmosphäre.

Mein Ziel ist wie bereits 2013 erfolgreich zu finishen und den Wettkampf zu genießen.

Bedeutsam für mich sind nicht die Zeiten oder der Vergleich mit anderen, sondern der tägliche Kampf gegen mich selbst und den inneren Schweinehund. Ich trainiere aus meiner Sicht möglichst effizient nach einem Plan, nutze die mir zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll, um so letztendlich am Wettkampftag mein Bestes geben zu können. Yoga und Meditation helfen mir, die Beweglichkeit in Körper und Geist zu stärken, zu bewahren und aus der Ruhe Kraft zu schöpfen.

Für mich war die erste Langdistanz eine abenteuerliche Reise und ein Weg, auf dem sich vieles geklärt hat. Ich habe mich im Nachhinein geärgert, dass ich die vielen abenteuerlichen, emotionalen und verrückten Momente nicht hinreichend schriftlich festgehalten habe. Daher freue ich mich  umso mehr, dass mir hier nun der Rahmen gegeben wird, dies nicht nur festzuhalten, sondern auch noch mit anderen zu teilen.

Die „Mission Glück“ als positive Sichtweise und gelebte Motivation! Ich freue mich über jeden, der mich auf diesem Weg begleiten möchte.